Wie Tierfabriken sich immer weiter ausdehnen Reportage 1.02.2012 MDR Fernsehen EXAKT


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Exakt | MDR FERNSEHEN | 01.02.2012 | 20:15 Uhr Heimlicher Zuwachs – wie sich Tierfabriken immer weiter ausdehnen

Schweineschnauzen

Bauen, das sollte man annehmen, darf man in Deutschland nur mit den entsprechenden Genehmigungen. Für einen der größten Schweinezüchter Europas scheint diese Regel offensichtlich nicht so wirklich zu gelten. Abgeschirmt hinter den Fassaden vorhandener Stallreihen soll das Unternehmen einfach dreist immer weiter ausgebaut haben.

Während aufgebrachte Anwohner fürchten, dass rund um ihre Orte klammheimlich riesige Mastanlagen entstehen, scheint niemand das Treiben des holländischen Unternehmens stoppen zu können.     

Expandieren bis zum Kollaps – Wie immer größer Tierfabriken entstehen und warum die Ämter hilflos zuschauen. Das und mehr sehen Sie am Mittwoch, um 20:15 Uhr, in Ihrem MDR-Nachrichtenmagazin Exakt.

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2012, 14:55 Uhr

 

Neues Buch: Schwein gehabt? Drama hinter verschlossenen Türen: Das Schwein in der Massentierhaltung


English: pigs Français : cochons English: Schw...
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Schwein gehabt?

Drama hinter verschlossenen Türen:
Das Schwein in der
Massentierhaltung



Autorenprofil:

Annamaria Grabowski mit Komondor Baldúr – Rückseite-Titel-Foto


Ich habe mich den Tieren in der Massentierhaltung, hier besonders den Schweinen, zugewandt. Ich bin der Frage, was uns Menschen bewegt, Tiere in Massentierhaltung, Massentiertransporten, Massenschlachtanlagen zu bringen, nachgegangen. Entstanden ist dieses Buch, das auch eine Kulturgeschichte des Fleisches, des Fleischgenusses,  aber auch der Gewalt ist.

Vorgestellt wird auch die Situation derer, die in Schlachthöfen, auf Tiertransporten und Auktionshäusern für Farmtiere arbeiten; die Frage wird gestellt, welche

Auswirkungen ihre Tätigkeit auf ihre Umwelt, die nähere und die weitere, haben könnten,  welche Folgen chronische Gewalt an Tieren  bei Tier und Mensch auslöst.

Ich habe mich auch an das Thema Holocaust-Vergleich – ist er erlaubt oder ist er verboten? – herangewagt und es bearbeitet.

Wissenschaftler werden zitiert, die nach intensiven Forschungsarbeiten davon überzeugt sind, dass Schweine intelligente, aufgeweckte und soziale Tiere sind. Es wird berichtet von Hamlet und Omelette, zwei Schweinen, die Videospiele lieben, von Lulu, die die Mutter ihrer Besitzerin rettet, von Schweinen, die sich selbst im Spiegel erkennen, die schwimmen und tauchen können, ach und noch so viel mehr.
Das Schreien und Weinen der Schweine, bei der Kastration der Ferkel, bei Wegnahme der Ferkel vom Muttertier, bei Abholung für den Transport zum Schlachthof, das habe ich hautnah erlebt;  das hat mich  so bewegt, dass ich mich daran machte, über das Leben der Schweine zu recherchieren.

Herausgekommen dabei ist dieses Buch.

Ein Blick in die Gliederung: 
Das Schwein in Europa
   Was sagt die EU?
   Vorstellung von Schweineställen
  
Die Situation der Ferkel – mit einem Wort: eine
   Katastrophe  

Beispiele
  Thema Ferkelkastration usw.
 
Das Essen von Fleisch
   Prunk am Hofe
   Betrachtungen über das Essen von Fleisch
   Tödlein

    und Gedenktafeln – was haben sie uns zu sagen?
 
Schlachthaushistorie
   – Gewalt am Arbeitsplatz
   – Gewalt an Mensch  & Tier
   – Gewalt zuhause
   – Gewalt im Bereich der Schlachtzentren
   – Greift hier das Modell von Garcione?
 
Geschichte der Schlachthäuser
Interviews mit ArbeiterInnen
Beschreibungen und persönliche Erlebnisse von Beschäftigten
 
Situation der Schweine in den Massentierhaltungen

Situation der Umwelt
Was geschieht, wenn eine Naturkatastrophe eintritt  

Beispiele
Wohin mit toten Tieren?
 
Das Leiden und die Leidensfähigkeit der Tiere
Wissenschaftliche Erkenntnisse dazu
 
Schweine sind kluge Tiere

  Schweine und Metakognition
  Schweine sehen sich im Spiegel

Agonie im Schweinestall
Mörderische Tierquälerei, dokumentiert anhand vieler Links zu
   Videos und Textseiten

EU-Bestimmungen zur Schweinehaltung, Transport von Schweinen usw.

Was können wir von Norwegen lernen?

Können Schweine singen?

Verhaltensstörungen bei Sauen
 
Schlachtarbeiter brauchen keine Ausbildung
   Sie haben fast keine Kontrolle an ihrem Arbeitsplatz
   Sie haben sehr hohe Verletzungs- und Krankheitsrisiken

Wie kann die Situation an Schlachthöfen verändert werden?

Prof. Temple Grandin forscht auf diesem Gebiete


Was hat der Holocaust mit unseren Massentierhaltungen zu tun?
    Sklaverei hat viele Gesichter
 
Wissenschaftler erforschen das Thema:
    Hauer-Ausbrechen bei Ebern

Kanada als schlechtestes Beispiel beim Umgang mit Ebern
 
Brennende Ställe und kein Ende
 
Euthanasie bei Schweinen

Wie findet Vermehrung der Schweine statt?

Viele kluge Leute sprechen über Schweine

Und vieles, vieles mehr…

Das Buch ist im Eigenverlag Grabowski erschienen.

639 Fußnoten

19 Seiten Gliederung

Insgesamt 577 Seiten, 2/3 davon bebildert. Preis incl. Versand € 59,–

Bestellung unter: 09405-9177224 oder unter schweingehabt@googlemail.com www.schweingehabt.wordpress.com

                 Warnung !

                         Tiere sind

 für viele Menschen Begleiter und Freunde, aber für viele Menschen auch Nahrungsmittel.

In diesem Buch wird auch die Situation der Tiere beleuchtet, 

die in Massentierhaltungssystemen leben, die sich auf dem Transport oder in Schlachthäusern befinden.

Bitte, lassen Sie Kinder und empfindliche Menschen diese Fotos nicht  oder nicht allein ansehen.

Betrachten Sie bitte die Fotos      und Videos, die Sie sie herunter laden, auf eigene Gefahr und in eigener Verantwortung!

Schweine kennen mehr als 20 Lautaeusserungen – findet Grabowski heraus


Deutsch: Schweine Kastration English: Castrati...
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Wer weiß, warum Schweine bestimmte Laute ausstoßen?Wer weiß, wann Schweine schreien?

Wer fragt danach?

 Das Schreien bei Schweine ist in natürlichen Situationen nur in Ausnahmefällen zu hören: Imponierschreien im Kampf bei Adulten oder das Kreischen von Ferkeln, die sich irgendwo festgelaufen haben.Haltungsbedingt ist dagegen das Phänomen von schreienden Mastschweinen oder Sauen zu Beginn der Fütterung, beim Verladen und Transport beziehungsweise beim Treiben in ein Schlachthaus. Im Freiland beginnen bei der gemeinsamen Futtersuche alle Gruppenmitglieder simultan mit dem Fressen. Es ist zu vermuten, dass Schweine sich festgelaufen fühlen, wenn sie hören, wie andere Schweine im gleichen Stall anfangen zu fressen, während sie selbst im gleichen Raum daran gehindert werden. Vergleichbar dem Festlaufen scheint die Situation zu sein, in der Schlachtschweine mit Gewalt von einem Platz zum anderen befördert werden, beziehungsweise Sauen mit einer Nasenschlinge fixiert werden und sich nicht mehr von der Stelle rühren können. Schreiende Schweine greifen demnach in solchen extremen Stresssituationen auf Verhaltensweisen zurück, die typisch sind für jüngere Lebensabschnitte, nämlich auf die Verhaltensweisen der Ferkel, die um die Hilfe ihrer Sau schreien. Das Wohlbefinden der domestizierten Schweine ist eindeutig herabgesetzt, solange sie als Schreiende Schweine gehört werden (§ 2Nr. 1 und 2, § 17 Nr. 2b TierSchG) (Van Putten 2000).[1] Weary (Weary 1992)[2] und McGregor, P. K., et al. (McGregor et al. 1992)[3] sprechen von 20 Lauten, die Schweinen zur Verfügung stünden. Van Putten (van Putten 1986)[4] erklärt hingegen, Schweine hätten ein Lautrepertoire von 40 verschiedenen Tönen aufzuweisen. Einige von diesen Tönen sollen hier auch vorgestellt werden.

 

Der Deckgesang des sauenbespringenden Nabob

Reich und klangvoll ist der Wortsschatz der Grunzer

 

Eben geboren, schon äußern Ferkel Kontakt-, Hunger- und Schmerzlaute. Bereits am dritten Lebenstag verfügen sie  über ein sinnvoll abgestuftes Vokabular in den Bereichen des Abwehrens, Suchens, Kämpfens und der Angst. Bis zur dritten Lebenswoche erlernen Ferkel schwierige Tonfolgen, mit denen sie warnen oder gar alarmieren. Mit zunehmender Geschlechtsreife, etwa vom vierten Lebensmonat an, vollenden sie dann nach und nach ihre sprachliche Grundausbildung als Schwein mit werbenden Liebeslauten (Groskreutz 1989). [5]

Wenn  ein Eber in die Gehäuse von rauschigen Sauen geführt wird, fängt er an, das weibliche Tier zu beschnüffeln, die Seiten der Nase, die Flanken, die Vulva; er bewegt seinen Kopf von einer Seite zur anderen, je nachdem, wie seine Geliebte posiert. Dabei beißt der Eber zart in die Ohren der begehrten Dame seines Herzens, so anmutig, wie man es sich niemals vorstellen könnte  (Blackshaw o.J.).[6]  

Der Deckgesang des sauenbespringenden Ebers ist ein Werbungssong, eine Art sanftes, gutturales Grunzen. Wenn es  ertönt, antwortet ihm die auserwählte  Schweinedame! Sie singen sich  un  an, berühren einander zärtlich, beschnüffeln sich und jagen einander im Liebesspiel. Dabei wird Androstenon (Androstenon ist ein Steroid ((Androgen)) und ein Metabolit des Sexualhormons Testosteron, das bei verschiedenen Säugetieren als Pheromon dient) freigesetzt, während der Eber einen schaumigen Schleim im Maul produziert, (Bemerkung von mir: der Werbende  wird quasi zu einem Schaumschläger!) indem er fortwährend kaut und mit den Zähnen knirscht.

 

Und so wird die Sprachkunst des Suus Scrofa schließlich von dem betörenden Deckgesang des sauenbespringenden Nabobs gekrönt. Sein geheimnisvolles, gutturales Grunzstakkato betört Nabine vollends, so daß sie bombenfest steht und mit reichem Ohrenspiel duldet. Meist  können Eber bis zu 30 Minuten im Liebesspiel verharren, bis sie ejakulieren. Die Sauen grasen manchmal und gehen einige Schritte nach vorn, bis der Eber wieder herabspringt  

(siehe auch: how do pigs mate?) [7] und Groskreutz (Groskreutz 1989).[8]

 

Auch Schweinemütter murmeln ihren Ferkeln leise Laute ins Ohr, ihr verzücktes Quieken ist nur zu vernehmen, wenn man sich Zeit nimmt, zuzuhören.

 

Quelle: Grabowski, A.: Schwein gehabt? S. 159