„Schwein gehabt?“ Gewalt auf unseren Tellern: Zwei Rezensionen meines Buches


18. März 2013, 9:36 vormittags
DCk9c[1]Das war es also mit dem Schweineschnitzel. Nach der Lektüre von Annamaria Grabowskis erhellendem Buch wird man kein anoymes Schnitzel als entfremdeten Gegenstand auf dem Teller ansehen.
Die Autorin sagt: “Ich habe mich den Tieren in der Massentierhaltung, hier besonders den Schweinen, zugewandt.Ich bin der Frage, was uns Menschen bewegt, Tiere in Massentierhaltung, Massentiertransporten, Massenschlachtanlagen zu bringen, nachgegangen.Enstanden ist dieses Buch, das auch eine Kulturgeschichte des Fleisches, des Fleischgenusses, aber auch der Gewalt ist. Vorgestellt wird auch die Situation derer, die in Schlachthöfen, auf Tiertransporten und Auktionshäusern für Farmtiere arbeiten;die Frage wird gestellt, welche Auswirkungen ihre Tätigkeit auf ihre Umwelt, die nähere und weitere, haben könnte, wleche Folgen chronische Gewalt an Tieren bei Tier und Mensch auslöst. Wissenschaftler werden zitiert, die nach intensicen Forschungsarbeiten davon überzeugt sind, dass Schweine intelligente, aufgeweckte und soziale Tiere sind. Es wird berichtet von Hamlet und Omelette, zwei Schweinen, die Videospiele lieben, von Lulu, die die Mutter ihrer Besitzerin rettet, von Schweinen, die sich selbst im Spiegel erkennen, die schwimmen und tauchen können, ach und noch so viel mehr.Das Schreien und Weinen der Schweine, bei der Kastration der Ferkel, bei der Wegnahme der Ferkel vom Muttertier, bei Abholung für den Transport zum Schlachthof, beim Schlachten am Hof, hat mich so bewegt, dass ich mich daran machte, über das Leben der Schweine zu recherchieren.”
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Mit Engagement und Sachverstand Rezension von Melody
Mit bewunderungswürdigem Engagement widmet sich die Autorin dem Schicksal der Schweine in unserer Kultur und in unserem Alltagsleben. Sie schildert die Zustände in den Fleischfabriken und beleuchtet die reichhaltige Literatur zum Verhalten – und ebenso der Intelligenz – dieser so neugierigen und verspielten Säugetiere und kommt zu erschütternden Ergebnissen. Wer dieses Buch mit Herz und Verstand liest, ist aufgefordert sein eigenes Verhalten zu überdenken. Es liegt auf der Hand, daß billiges Schweinefleisch wie es gerade in Deutschland en masse “produziert” wird, mit unsäglichem Tierelend einhergeht und die Mehrheit der VerbraucherInnen dies akzeptiert, weil sie nicht von ihren Essensgewohnheiten ablassen mag, wozu Schweineschnitzel und Wurstwaren gehören. Grabowski zeigt, welche Folgen dies hat, für unsere Gesundheit, unsere Umwelt, unser Wohlbefinden – und das Leben der Tiere, das kaum mehr als “Leben” und definitiv nicht als artgerechtes Leben bezeichnet werden kann. Auf fast 1000 Seiten zeigt uns die Autorin alle Aspekte des Schweinelebens, und der Bedeutung, die dieser systematische Mißbrauch für uns alle hat. Wer nun ein trockenes Sachbuch erwartet wird eines Besseren belehrt. Mit zahlreichen Abbildungen, Textcollagen und eigenen Meinungen macht die Autorin dieses Buch trotz seiner erschütternden Thematik zu einer erträglichen und abwechslungsreichen Lektüre, wobei die Ernsthaftigkeit ihres Ansatzes, der durch Hinweise auf die moderne Tierethik und Tierphilosophie unterstützt wird, immer präsent ist. Problematisch ist Grabowskis Versuch die Schoah und die Massentierhaltung miteinander zu verknüpfen und in diesen ohnehin sehr anspruchsvollen Text einzufügen. Dies könnte manchen LeserIn zu Mißverständnissen verleiten, eine Gefahr die der Ankündigungstext nahelegt; die Verknüpfung von Schwein und Schoah ist nicht ausreichend dargestellt. Muslimische und jüdische LeserInnen wird diese Verknüpfung irritieren: das Schwein ruft in vielen Kulturen und Religionen negative Assoziationen hervor und wird als “unrein” betrachtet; ein Vergleich von Mensch und Schwein gilt als massive Beleidigung. Annamaria Grabowski, die auch Psychologin und Psychotherapeutin ist und zur Veröffentlichung einen eigenen Verlag gegründet hat, stellt die industrielle Tierproduktion und Tiervernichtung und die deutschen Vergangenheit in ein Kontinuum. Kurzum: Ein mutiges und engagiertes Buch mit politischem und gesellschaftsveränderndem Anspruch, reichhaltigem Fotomaterial, ausführlichen Texten, dem unbedingt eine große Verbreitung zu wünschen ist.

Gute Rezension macht froh! Danke schön!


Karmelitenkreuzgang, Adler u. Schwein SW
Karmelitenkreuzgang, Adler u. Schwein SW (Photo credit: Wikipedia)
Deutsch: Magalitza-Schwein (Wollschwein), foto...
Deutsch: Magalitza-Schwein (Wollschwein), fotografiert im Herzogenriedpark in Mannheim (Baden-Württemberg, Deutschland) (Photo credit: Wikipedia)
de: Turopolje-Schwein mit Ferkel, Wildpark Elf...
de: Turopolje-Schwein mit Ferkel, Wildpark Elfenberg, Steiermark, Österreich (Photo credit: Wikipedia)
 
 
 
4.0 von 5 Sternen Engagement und Sachverstand 10. Februar 2013
Von Melody
Mit bewunderungswürdigem Engagement widmet sich die Autorin dem Schicksal der Schweine in unserer Kultur und in unserem Alltagsleben. Sie schildert die Zustände in den Fleischfabriken und beleuchtet die reichhaltige Literatur zum Verhalten – und ebenso der Intelligenz – dieser so neugierigen und verspielten Säugetiere und kommt zu erschütternden Ergebnissen. Wer dieses Buch mit Herz und Verstand liest, ist aufgefordert sein eigenes Verhalten zu überdenken. Es liegt auf der Hand, daß billiges Schweinefleisch wie es gerade in Deutschland en masse „produziert“ wird, mit unsäglichem Tierelend einhergeht und die Mehrheit der VerbraucherInnen dies akzeptiert, weil sie nicht von ihren Essensgewohnheiten ablassen mag, wozu Schweineschnitzel und Wurstwaren gehören. Grabowski zeigt, welche Folgen dies hat, für unsere Gesundheit, unsere Umwelt, unser Wohlbefinden – und das Leben der Tiere, das kaum mehr als „Leben“ und definitiv nicht als artgerechtes Leben bezeichnet werden kann. Auf fast 1000 Seiten zeigt uns die Autorin alle Aspekte des Schweinelebens, und der Bedeutung, die dieser systematische Mißbrauch für uns alle hat.
Wer nun ein trockenes Sachbuch erwartet wird eines Besseren belehrt. Mit zahlreichen Abbildungen, Textcollagen und eigenen Meinungen macht die Autorin dieses Buch trotz seiner erschütternden Thematik zu einer erträglichen und abwechslungsreichen Lektüre, wobei die Ernsthaftigkeit ihres Ansatzes, der durch Hinweise auf die moderne Tierethik und Tierphilosophie unterstützt wird, immer präsent ist. Problematisch ist Grabowskis Versuch die Schoah und die Massentierhaltung miteinander zu verknüpfen und in diesen ohnehin sehr anspruchsvollen Text einzufügen. Dies könnte manchen LeserIn zu Mißverständnissen verleiten, eine Gefahr die der Ankündigungstext nahelegt; die Verknüpfung von Schwein und Schoah ist nicht ausreichend dargestellt. Muslimische und jüdische LeserInnen wird diese Verknüpfung irritieren: das Schwein ruft in vielen Kulturen und Religionen negative Assoziationen hervor und wird als „unrein“ betrachtet; ein Vergleich von Mensch und Schwein gilt als massive Beleidigung. Annamaria Grabowski, die auch Psychologin und Psychotherapeutin ist und zur Veröffentlichung einen eigenen Verlag gegründet hat, stellt die industrielle Tierproduktion und Tiervernichtung und die deutschen Vergangenheit in ein Kontinuum.
Kurzum: Ein mutiges und engagiertes Buch mit politischem und gesellschaftsveränderndem Anspruch, reichhaltigem Fotomaterial, ausführlichen Texten, dem unbedingt eine große Verbreitung zu wünschen ist.

„SCHWEIN GEHABT?“ wohl kaum: das kurze Leben eines Ferkels


 
 
 
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Das kurze Leben von Ferkel 0146 © Björn LuxFarkel
 Ferkel 0146 hängt noch an der Nabelschnur. Anderthalb Kilo wiegt es nach der Geburt. Noch 118,5 Kilo bis zum Kotelett
Sechs Monate lang haben stern-Reporter ein Mastschwein begleitet. Von der Geburt im Stall bis zum Tod im Schlachthof – und darüber hinaus: Die Geschichte eines Schnitzels.Das Messer blitzt, die Schweine schrein,
Man muß sie halt benutzen,
Denn jeder denkt: Wozu das Schwein,
Wenn wir es nicht verputzen?
(Wilhelm Busch)
 

Blut tropft auf den Gitterrost. Der Bauer greift tief rein in die Sau – kommt da noch was? Auf einmal gucken kleine Klauen hervor, der Bauer zieht. „Hoffentlich bin ich nicht zu spät, das sah so blau aus“, sagt er.

Heute ist Ferkeltag im Stall von Bauer Pulvermann. Alle Sauen werden zur selben Zeit besamt, deshalb „ferkeln“ sie auch zur selben Zeit. Drei Monate, drei Wochen und drei Tage dauert die Schwangerschaft, „So’n Schwein funktioniert wie ein Uhrwerk“, sagt Dieter Pulvermann.

Die Sau schnauft schwer. Ein tiefes langes Grunzen, dann glitscht es aus ihr heraus, es quiekt. Das schleimige Ferkelkind verheddert sich in der Nabelschnur und fällt auf die Schnauze. Kurz öffnet es seine schwarzblauen Augen, dann stakst es los – da ist die Zitze. Schauer laufen ihm über den blassrosa Rücken, aber es saugt, kräftig und entschieden.

Die Geschichte eines Schnitzels

Das ist das Schwein, das wir sechs Monate begleiten werden, bis zum Tod. Wir nennen es nicht „Grunzi“, bestimmt nicht „Babe„. Keine Sentimentalitäten bitte. Denn dies ist die Geschichte eines Schnitzels. Geboren, um zu sterben. Produziert wie eine Alufelge oder eine Steckdose. Ein Gebrauchsgegenstand, und so liest sich auch sein Name: 0146. Das ist die Nummer des Stalls. 1,5 Kilo wiegt das Ferkel nach der Geburt. Noch 118,5 Kilo bis zum Schlachtgewicht. Ein Schweineleben.

Am ersten Morgen kommt der Ringelschwanz ab. Das Kupiereisen dampft, es riecht nach verbranntem Fleisch. Ferkel 0146 quietscht schrill und zappelt mit den Beinen. Anschließend werden die Eckzähne mit einer rotierenden Maschine abgeschliffen. Damit die Tiere sich nicht gegenseitig verletzen, sagt Valentina. Die Russlanddeutsche ist die einzige Angestellte auf dem Hof, zuständig für 4000 Tiere: 250 Säue und 3750 Mastschweine. Immer weniger Menschen, immer mehr Schweine. „Nur so bin ich konkurrenzfähig“, sagt Bauer Pulvermann. Als der diplomierte Agraringenieur den Hof 1990 von seinen Eltern übernahm, lebten dort 800 Schweine. …

….  Die Enkelinnen Julia und Lena, neun und elf Jahre alt, dazu eine Nachbarin, sind zum Abendessen eingeladen. Julia und Lena teilen sich ein Kotelett: „Das ist so riesig, das ist doch vom Dinosaurier, nicht vom Schwein.“ Die Mädchen kauen zufrieden. Im Kamin prasselt ein Feuer. Biedermeierstühle, Tafelsilber, gelbe Rosen, weißes Porzellan – Ferkel 0146 hat nicht stilvoll gelebt, aber es wird stilvoll verspeist.

http://www.stern.de/wirtschaft/news/maerkte/massentierhaltung-das-kurze-leben-von-ferkel-0146-643451.html BITTE VOLLSTÄNDIGEN ARTIKEL HIER DOWNLOADEN

 

Neues Buch: Schwein gehabt? Drama hinter verschlossenen Türen: Das Schwein in der Massentierhaltung


English: pigs Français : cochons English: Schw...
Image via Wikipedia

Schwein gehabt?

Drama hinter verschlossenen Türen:
Das Schwein in der
Massentierhaltung



Autorenprofil:

Annamaria Grabowski mit Komondor Baldúr – Rückseite-Titel-Foto


Ich habe mich den Tieren in der Massentierhaltung, hier besonders den Schweinen, zugewandt. Ich bin der Frage, was uns Menschen bewegt, Tiere in Massentierhaltung, Massentiertransporten, Massenschlachtanlagen zu bringen, nachgegangen. Entstanden ist dieses Buch, das auch eine Kulturgeschichte des Fleisches, des Fleischgenusses,  aber auch der Gewalt ist.

Vorgestellt wird auch die Situation derer, die in Schlachthöfen, auf Tiertransporten und Auktionshäusern für Farmtiere arbeiten; die Frage wird gestellt, welche

Auswirkungen ihre Tätigkeit auf ihre Umwelt, die nähere und die weitere, haben könnten,  welche Folgen chronische Gewalt an Tieren  bei Tier und Mensch auslöst.

Ich habe mich auch an das Thema Holocaust-Vergleich – ist er erlaubt oder ist er verboten? – herangewagt und es bearbeitet.

Wissenschaftler werden zitiert, die nach intensiven Forschungsarbeiten davon überzeugt sind, dass Schweine intelligente, aufgeweckte und soziale Tiere sind. Es wird berichtet von Hamlet und Omelette, zwei Schweinen, die Videospiele lieben, von Lulu, die die Mutter ihrer Besitzerin rettet, von Schweinen, die sich selbst im Spiegel erkennen, die schwimmen und tauchen können, ach und noch so viel mehr.
Das Schreien und Weinen der Schweine, bei der Kastration der Ferkel, bei Wegnahme der Ferkel vom Muttertier, bei Abholung für den Transport zum Schlachthof, das habe ich hautnah erlebt;  das hat mich  so bewegt, dass ich mich daran machte, über das Leben der Schweine zu recherchieren.

Herausgekommen dabei ist dieses Buch.

Ein Blick in die Gliederung: 
Das Schwein in Europa
   Was sagt die EU?
   Vorstellung von Schweineställen
  
Die Situation der Ferkel – mit einem Wort: eine
   Katastrophe  

Beispiele
  Thema Ferkelkastration usw.
 
Das Essen von Fleisch
   Prunk am Hofe
   Betrachtungen über das Essen von Fleisch
   Tödlein

    und Gedenktafeln – was haben sie uns zu sagen?
 
Schlachthaushistorie
   – Gewalt am Arbeitsplatz
   – Gewalt an Mensch  & Tier
   – Gewalt zuhause
   – Gewalt im Bereich der Schlachtzentren
   – Greift hier das Modell von Garcione?
 
Geschichte der Schlachthäuser
Interviews mit ArbeiterInnen
Beschreibungen und persönliche Erlebnisse von Beschäftigten
 
Situation der Schweine in den Massentierhaltungen

Situation der Umwelt
Was geschieht, wenn eine Naturkatastrophe eintritt  

Beispiele
Wohin mit toten Tieren?
 
Das Leiden und die Leidensfähigkeit der Tiere
Wissenschaftliche Erkenntnisse dazu
 
Schweine sind kluge Tiere

  Schweine und Metakognition
  Schweine sehen sich im Spiegel

Agonie im Schweinestall
Mörderische Tierquälerei, dokumentiert anhand vieler Links zu
   Videos und Textseiten

EU-Bestimmungen zur Schweinehaltung, Transport von Schweinen usw.

Was können wir von Norwegen lernen?

Können Schweine singen?

Verhaltensstörungen bei Sauen
 
Schlachtarbeiter brauchen keine Ausbildung
   Sie haben fast keine Kontrolle an ihrem Arbeitsplatz
   Sie haben sehr hohe Verletzungs- und Krankheitsrisiken

Wie kann die Situation an Schlachthöfen verändert werden?

Prof. Temple Grandin forscht auf diesem Gebiete


Was hat der Holocaust mit unseren Massentierhaltungen zu tun?
    Sklaverei hat viele Gesichter
 
Wissenschaftler erforschen das Thema:
    Hauer-Ausbrechen bei Ebern

Kanada als schlechtestes Beispiel beim Umgang mit Ebern
 
Brennende Ställe und kein Ende
 
Euthanasie bei Schweinen

Wie findet Vermehrung der Schweine statt?

Viele kluge Leute sprechen über Schweine

Und vieles, vieles mehr…

Das Buch ist im Eigenverlag Grabowski erschienen.

639 Fußnoten

19 Seiten Gliederung

Insgesamt 577 Seiten, 2/3 davon bebildert. Preis incl. Versand € 59,–

Bestellung unter: 09405-9177224 oder unter schweingehabt@googlemail.com www.schweingehabt.wordpress.com

                 Warnung !

                         Tiere sind

 für viele Menschen Begleiter und Freunde, aber für viele Menschen auch Nahrungsmittel.

In diesem Buch wird auch die Situation der Tiere beleuchtet, 

die in Massentierhaltungssystemen leben, die sich auf dem Transport oder in Schlachthäusern befinden.

Bitte, lassen Sie Kinder und empfindliche Menschen diese Fotos nicht  oder nicht allein ansehen.

Betrachten Sie bitte die Fotos      und Videos, die Sie sie herunter laden, auf eigene Gefahr und in eigener Verantwortung!

Schwein gehabt? Textkostprobe


Schweine Kastration
Image via Wikipedia

 

Rosafarbene Ferkel                                       Schweinekastration 1928 

Rosafarbene, fast unbehaarte Schweine sind prädestiniert dafür, Sonnenbrand zu erleiden, weil die Tiere sich ihrer fast nackten Haut nicht bewusst sind und das Sonnenlicht nicht fürchten. Deshalb wählen Schweinehalter in biologischen Systemen, die ihre Tiere draußen halten, Zuchtformen mit gefleckter oder behaarter Haut, um ihre Tiere vor Sonnenbrand zu schützen. Nicht eingedenk dieser Konsequenzen, spielen wir den modernen Schweinen einen bösen Streich. Unsere Selektionsprogramme, die an und in den Schweinen zu bemerken sind, machen es den Schweinen ungeheuer schwer, ihre optimale Körpertemperatur zu halten. Kleinere Schweine haben mehr Haut pro Kilogramm Körpergewicht als unsere großen, modernen, runden Schweine. Und im Sommer und in den südlichen Teilen Europa, haben Schweine ein wirkliches Problem, mit der exzessiven Hitze fertigzuwerden, sogar dann, wenn sie baden und sich wälzen dürfen. Das heißt, dass auch in biologischen Haltungsformen kleinere Schweinerassen gezüchtet und gehalten werden sollten.

 

Die raue Welt der Ferkel

Das nächste Kapitel befasst sich mit Ferkeln, die in Industrie-Schweine-Haltung zur Welt kommen.

             

Aber zuvor eine Erzählung und eine Geschichte:

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  

 Elin Brodin schrieb als Zwanzigjährige Das Buch der Sklaven, Zehn Texte über Tiere.

 

Der Besitzer eines Sklaven

Zerstört zwei Freiheiten

Die seines Sklaven und

Seine eigene.

John Briant

 

Die junge Frau aus Oslo berichtet über das Leben der Tiere, die wir Menschen in Gefangenschaft halten. Eines der bewegenden Geschichten heißt Viehische Morde. Protagonist ist, wie könnte es hier anders sein, ein Schwein.

 

Es durfte für kurze Zeit bei seiner Mutter trinken, zusammen mit seinen Geschwistern. Dann wurden die Kinder der Mutter weggenommen. Mutter und Junge schrien dabei natürlich ganz schrecklich, aber das hilft in einer modernen Tierfabrik auch nicht weiter. Danach wurden die Ferkel zusammen mit anderen Ferkeln in einen Koben gesteckt. Sie standen darin ganz eng und langweilten sich. […}

Aber aus der Langeweile des Ferkels wird bald Angst: Erst wurde es rückwärts in den Verschlag gedrückt, und der war so eng, dass es auf beiden Seiten an die Wände stieß. Nun legten sie schnell und mit geübtem Griff dem Schwein das Halsjoch um. Das kleine Schwein merkte sofort, dass es seinen Kopf jetzt nicht mehr bewegen konnte. Es steckte fest, und das Halsjoch war an die Wand angeschlossen. Das Schwein konnte nur noch geradeaus blicken. Vor seinem Gesicht waren die dicken Eisenstangen […].

Das Schwein glaubte, sterben zu müssen. Der Hals war wie zugeschnürt. Sein Geschrei wurde erstickt, bis es nur noch ein leises Keuchen war. Den ganzen Tag keuchte, jammerte und zerrte es. Gegen Abend hing das Schwein wie eine leere Haut da und schnappte erschöpft nach Luft. Am Hals hatte es schon tiefe, brennende Wunden. […] 

Die Angst explodiert in dem kleinen Schweinehirn, als die Schweine aus seinem Stall in einen neuen Stall gejagt werden, wo alles weiß und glänzend und ganz anders war als im alten Stall […}

Die jungen Schweine wurden ein Stück weitergejagt und plötzlich merkte das Schwein den Geruch von Blut. Nach Blut und etwas anderem, und das Schwein wusste sofort, dass dieses andere sehr gefährlich war und etwas mit dem Tod zu tun hatte. Auch die anderen Schweine merkten die Gefahr. Sie schrien und wehrten sich. Sie stemmten die Füße auf den Boden und wehrten sich aus Leibeskräften gegen das Laufband, das sie wegzubringen drohte an den entsetzlichsten Ort, den sie sich nur vorstellen konnten […].

Alle schrien. Alle wussten es.  Sie standen in der endlosen Rinne und schrien.

 

Das Schwein hat Angst. Der Lärm ist jetzt unvorstellbar. Es scheppert, klirrt, dröhnt, zischt und knallt. Alles ist blendend weiß. Die Menschen rufen, die Tiere schreien aus Leibeskräften. Hier ist kein Entkommen möglich. Das Schwein sieht, dass die, die vor ihm an der Reihe sind, plötzlich umkippen und zwischen den Wänden hin und her geschleudert werden. Und nun ist das Schwein, namenlos noch immer, an der Reihe:

Es schämt sich ein bisschen über das Gefühl, ohne Knochen zu sein, ein herumgeworfener Klumpen. Aber dann wischt die Angst alle anderen Gefühle aus, alle Bilder. Das Schwein hört weiter vorn Tiere auf grauenhafte Weise heulen, anders und noch schlimmer als je zuvor. Das Schwein fragt sich, was sie sehen, wem sie dort begegnen. Es muss nicht lange warten, bis es erfährt, was den anderen Schweinen begegnet ist:

Das Schwein fällt ins Weiße, und der dröhnende Tod hat das Schwein gefangen, zerrt seinen Körper auf das irrwitzige Geschrei und den erstickenden Dunst zu, in eine Begegnung mit etwas Fürchterlichem. Aber für einen Moment erinnert sich das Schwein doch noch daran, dass es trotz allem etwas erlebt hat, etwas gesehen hat. Einmal im Leben hat es das Licht der Sonne gesehen (Brodin 1996) [1]

 

Des Wolfes glücklicher Tag                   

Der eitle Wolf und die kluge Schweinemutter

Eine sorbische Geschichte

In diesem sorbischen Märchen, das Jurij Krawza nacherzählt hat, geht es um einen Wolf, dem eines morgens ein Fuchs versprochen hatte:  Gevatter Wolf, du wirst am heutigen Tag lauter Glück haben. Der Wolf glaubt dem schlauen Reineke Fuchs und macht sich auf den Weg, um Futter zu finden.

Die Stute, die er trifft, versetzt ihm einen Schlag mit ihrem Huf, Ziegen spielen ein böses Spiel mit ihm, doch der Wolf spricht sich immer die süßen Worte vor, die der Fuchs zu ihm gesagt hatte.

Da trifft er, hungrig wie er war, an einer Mühle ein Mutterschwein mit ihren Ferkeln. Meine liebste Sau, spricht der Wolf. Ich habe heute lauter Glück, und darum will ich jetzt als Vesperbrot dein schönstes Ferkel verspeisen.

Man mag sich vorstellen, was diese höflichen Worte des Wolfes bei dem Schwein auslösten – des einen Glück kann des anderen Schaden sein.

Aber die Sau machte nur einen artigen Knicks und sagt dann zu dem Grauen: Gnädiger Herr! Es ist mir eine große Ehre, dass ein Edelmann mein Ferkel verspeisen will. Aber ich kann es Euch doch nicht so schmutzig überlassen. Ich will es erst schön sauber waschen, damit es würdig ist, von dem vornehmen Herrn verspeist zu werden.

 Der Wolf, höchst geschmeichelt, denkt bei sich: Edelmann! Vornehmer Herr! Das habe ich von mir noch nicht gewusst. Aber möchte die Sau so reden, wenn es nicht der Wahrheit entspricht?

Wasch das schmutzige Ferkel ab! sagt er nachsichtig und setzt sich geduldig wartend ans Ufer. …