Schweine kennen mehr als 20 Lautaeusserungen – findet Grabowski heraus


Deutsch: Schweine Kastration English: Castrati...
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Wer weiß, warum Schweine bestimmte Laute ausstoßen?Wer weiß, wann Schweine schreien?

Wer fragt danach?

 Das Schreien bei Schweine ist in natürlichen Situationen nur in Ausnahmefällen zu hören: Imponierschreien im Kampf bei Adulten oder das Kreischen von Ferkeln, die sich irgendwo festgelaufen haben.Haltungsbedingt ist dagegen das Phänomen von schreienden Mastschweinen oder Sauen zu Beginn der Fütterung, beim Verladen und Transport beziehungsweise beim Treiben in ein Schlachthaus. Im Freiland beginnen bei der gemeinsamen Futtersuche alle Gruppenmitglieder simultan mit dem Fressen. Es ist zu vermuten, dass Schweine sich festgelaufen fühlen, wenn sie hören, wie andere Schweine im gleichen Stall anfangen zu fressen, während sie selbst im gleichen Raum daran gehindert werden. Vergleichbar dem Festlaufen scheint die Situation zu sein, in der Schlachtschweine mit Gewalt von einem Platz zum anderen befördert werden, beziehungsweise Sauen mit einer Nasenschlinge fixiert werden und sich nicht mehr von der Stelle rühren können. Schreiende Schweine greifen demnach in solchen extremen Stresssituationen auf Verhaltensweisen zurück, die typisch sind für jüngere Lebensabschnitte, nämlich auf die Verhaltensweisen der Ferkel, die um die Hilfe ihrer Sau schreien. Das Wohlbefinden der domestizierten Schweine ist eindeutig herabgesetzt, solange sie als Schreiende Schweine gehört werden (§ 2Nr. 1 und 2, § 17 Nr. 2b TierSchG) (Van Putten 2000).[1] Weary (Weary 1992)[2] und McGregor, P. K., et al. (McGregor et al. 1992)[3] sprechen von 20 Lauten, die Schweinen zur Verfügung stünden. Van Putten (van Putten 1986)[4] erklärt hingegen, Schweine hätten ein Lautrepertoire von 40 verschiedenen Tönen aufzuweisen. Einige von diesen Tönen sollen hier auch vorgestellt werden.

 

Der Deckgesang des sauenbespringenden Nabob

Reich und klangvoll ist der Wortsschatz der Grunzer

 

Eben geboren, schon äußern Ferkel Kontakt-, Hunger- und Schmerzlaute. Bereits am dritten Lebenstag verfügen sie  über ein sinnvoll abgestuftes Vokabular in den Bereichen des Abwehrens, Suchens, Kämpfens und der Angst. Bis zur dritten Lebenswoche erlernen Ferkel schwierige Tonfolgen, mit denen sie warnen oder gar alarmieren. Mit zunehmender Geschlechtsreife, etwa vom vierten Lebensmonat an, vollenden sie dann nach und nach ihre sprachliche Grundausbildung als Schwein mit werbenden Liebeslauten (Groskreutz 1989). [5]

Wenn  ein Eber in die Gehäuse von rauschigen Sauen geführt wird, fängt er an, das weibliche Tier zu beschnüffeln, die Seiten der Nase, die Flanken, die Vulva; er bewegt seinen Kopf von einer Seite zur anderen, je nachdem, wie seine Geliebte posiert. Dabei beißt der Eber zart in die Ohren der begehrten Dame seines Herzens, so anmutig, wie man es sich niemals vorstellen könnte  (Blackshaw o.J.).[6]  

Der Deckgesang des sauenbespringenden Ebers ist ein Werbungssong, eine Art sanftes, gutturales Grunzen. Wenn es  ertönt, antwortet ihm die auserwählte  Schweinedame! Sie singen sich  un  an, berühren einander zärtlich, beschnüffeln sich und jagen einander im Liebesspiel. Dabei wird Androstenon (Androstenon ist ein Steroid ((Androgen)) und ein Metabolit des Sexualhormons Testosteron, das bei verschiedenen Säugetieren als Pheromon dient) freigesetzt, während der Eber einen schaumigen Schleim im Maul produziert, (Bemerkung von mir: der Werbende  wird quasi zu einem Schaumschläger!) indem er fortwährend kaut und mit den Zähnen knirscht.

 

Und so wird die Sprachkunst des Suus Scrofa schließlich von dem betörenden Deckgesang des sauenbespringenden Nabobs gekrönt. Sein geheimnisvolles, gutturales Grunzstakkato betört Nabine vollends, so daß sie bombenfest steht und mit reichem Ohrenspiel duldet. Meist  können Eber bis zu 30 Minuten im Liebesspiel verharren, bis sie ejakulieren. Die Sauen grasen manchmal und gehen einige Schritte nach vorn, bis der Eber wieder herabspringt  

(siehe auch: how do pigs mate?) [7] und Groskreutz (Groskreutz 1989).[8]

 

Auch Schweinemütter murmeln ihren Ferkeln leise Laute ins Ohr, ihr verzücktes Quieken ist nur zu vernehmen, wenn man sich Zeit nimmt, zuzuhören.

 

Quelle: Grabowski, A.: Schwein gehabt? S. 159

 

Published by: curi56

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