Schwein gehabt? Textkostprobe


Schweine Kastration
Image via Wikipedia

 

Rosafarbene Ferkel                                       Schweinekastration 1928 

Rosafarbene, fast unbehaarte Schweine sind prädestiniert dafür, Sonnenbrand zu erleiden, weil die Tiere sich ihrer fast nackten Haut nicht bewusst sind und das Sonnenlicht nicht fürchten. Deshalb wählen Schweinehalter in biologischen Systemen, die ihre Tiere draußen halten, Zuchtformen mit gefleckter oder behaarter Haut, um ihre Tiere vor Sonnenbrand zu schützen. Nicht eingedenk dieser Konsequenzen, spielen wir den modernen Schweinen einen bösen Streich. Unsere Selektionsprogramme, die an und in den Schweinen zu bemerken sind, machen es den Schweinen ungeheuer schwer, ihre optimale Körpertemperatur zu halten. Kleinere Schweine haben mehr Haut pro Kilogramm Körpergewicht als unsere großen, modernen, runden Schweine. Und im Sommer und in den südlichen Teilen Europa, haben Schweine ein wirkliches Problem, mit der exzessiven Hitze fertigzuwerden, sogar dann, wenn sie baden und sich wälzen dürfen. Das heißt, dass auch in biologischen Haltungsformen kleinere Schweinerassen gezüchtet und gehalten werden sollten.

 

Die raue Welt der Ferkel

Das nächste Kapitel befasst sich mit Ferkeln, die in Industrie-Schweine-Haltung zur Welt kommen.

             

Aber zuvor eine Erzählung und eine Geschichte:

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  

 Elin Brodin schrieb als Zwanzigjährige Das Buch der Sklaven, Zehn Texte über Tiere.

 

Der Besitzer eines Sklaven

Zerstört zwei Freiheiten

Die seines Sklaven und

Seine eigene.

John Briant

 

Die junge Frau aus Oslo berichtet über das Leben der Tiere, die wir Menschen in Gefangenschaft halten. Eines der bewegenden Geschichten heißt Viehische Morde. Protagonist ist, wie könnte es hier anders sein, ein Schwein.

 

Es durfte für kurze Zeit bei seiner Mutter trinken, zusammen mit seinen Geschwistern. Dann wurden die Kinder der Mutter weggenommen. Mutter und Junge schrien dabei natürlich ganz schrecklich, aber das hilft in einer modernen Tierfabrik auch nicht weiter. Danach wurden die Ferkel zusammen mit anderen Ferkeln in einen Koben gesteckt. Sie standen darin ganz eng und langweilten sich. […}

Aber aus der Langeweile des Ferkels wird bald Angst: Erst wurde es rückwärts in den Verschlag gedrückt, und der war so eng, dass es auf beiden Seiten an die Wände stieß. Nun legten sie schnell und mit geübtem Griff dem Schwein das Halsjoch um. Das kleine Schwein merkte sofort, dass es seinen Kopf jetzt nicht mehr bewegen konnte. Es steckte fest, und das Halsjoch war an die Wand angeschlossen. Das Schwein konnte nur noch geradeaus blicken. Vor seinem Gesicht waren die dicken Eisenstangen […].

Das Schwein glaubte, sterben zu müssen. Der Hals war wie zugeschnürt. Sein Geschrei wurde erstickt, bis es nur noch ein leises Keuchen war. Den ganzen Tag keuchte, jammerte und zerrte es. Gegen Abend hing das Schwein wie eine leere Haut da und schnappte erschöpft nach Luft. Am Hals hatte es schon tiefe, brennende Wunden. […] 

Die Angst explodiert in dem kleinen Schweinehirn, als die Schweine aus seinem Stall in einen neuen Stall gejagt werden, wo alles weiß und glänzend und ganz anders war als im alten Stall […}

Die jungen Schweine wurden ein Stück weitergejagt und plötzlich merkte das Schwein den Geruch von Blut. Nach Blut und etwas anderem, und das Schwein wusste sofort, dass dieses andere sehr gefährlich war und etwas mit dem Tod zu tun hatte. Auch die anderen Schweine merkten die Gefahr. Sie schrien und wehrten sich. Sie stemmten die Füße auf den Boden und wehrten sich aus Leibeskräften gegen das Laufband, das sie wegzubringen drohte an den entsetzlichsten Ort, den sie sich nur vorstellen konnten […].

Alle schrien. Alle wussten es.  Sie standen in der endlosen Rinne und schrien.

 

Das Schwein hat Angst. Der Lärm ist jetzt unvorstellbar. Es scheppert, klirrt, dröhnt, zischt und knallt. Alles ist blendend weiß. Die Menschen rufen, die Tiere schreien aus Leibeskräften. Hier ist kein Entkommen möglich. Das Schwein sieht, dass die, die vor ihm an der Reihe sind, plötzlich umkippen und zwischen den Wänden hin und her geschleudert werden. Und nun ist das Schwein, namenlos noch immer, an der Reihe:

Es schämt sich ein bisschen über das Gefühl, ohne Knochen zu sein, ein herumgeworfener Klumpen. Aber dann wischt die Angst alle anderen Gefühle aus, alle Bilder. Das Schwein hört weiter vorn Tiere auf grauenhafte Weise heulen, anders und noch schlimmer als je zuvor. Das Schwein fragt sich, was sie sehen, wem sie dort begegnen. Es muss nicht lange warten, bis es erfährt, was den anderen Schweinen begegnet ist:

Das Schwein fällt ins Weiße, und der dröhnende Tod hat das Schwein gefangen, zerrt seinen Körper auf das irrwitzige Geschrei und den erstickenden Dunst zu, in eine Begegnung mit etwas Fürchterlichem. Aber für einen Moment erinnert sich das Schwein doch noch daran, dass es trotz allem etwas erlebt hat, etwas gesehen hat. Einmal im Leben hat es das Licht der Sonne gesehen (Brodin 1996) [1]

 

Des Wolfes glücklicher Tag                   

Der eitle Wolf und die kluge Schweinemutter

Eine sorbische Geschichte

In diesem sorbischen Märchen, das Jurij Krawza nacherzählt hat, geht es um einen Wolf, dem eines morgens ein Fuchs versprochen hatte:  Gevatter Wolf, du wirst am heutigen Tag lauter Glück haben. Der Wolf glaubt dem schlauen Reineke Fuchs und macht sich auf den Weg, um Futter zu finden.

Die Stute, die er trifft, versetzt ihm einen Schlag mit ihrem Huf, Ziegen spielen ein böses Spiel mit ihm, doch der Wolf spricht sich immer die süßen Worte vor, die der Fuchs zu ihm gesagt hatte.

Da trifft er, hungrig wie er war, an einer Mühle ein Mutterschwein mit ihren Ferkeln. Meine liebste Sau, spricht der Wolf. Ich habe heute lauter Glück, und darum will ich jetzt als Vesperbrot dein schönstes Ferkel verspeisen.

Man mag sich vorstellen, was diese höflichen Worte des Wolfes bei dem Schwein auslösten – des einen Glück kann des anderen Schaden sein.

Aber die Sau machte nur einen artigen Knicks und sagt dann zu dem Grauen: Gnädiger Herr! Es ist mir eine große Ehre, dass ein Edelmann mein Ferkel verspeisen will. Aber ich kann es Euch doch nicht so schmutzig überlassen. Ich will es erst schön sauber waschen, damit es würdig ist, von dem vornehmen Herrn verspeist zu werden.

 Der Wolf, höchst geschmeichelt, denkt bei sich: Edelmann! Vornehmer Herr! Das habe ich von mir noch nicht gewusst. Aber möchte die Sau so reden, wenn es nicht der Wahrheit entspricht?

Wasch das schmutzige Ferkel ab! sagt er nachsichtig und setzt sich geduldig wartend ans Ufer. …

 


 

Published by: curi56

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